Ubuntu 26.04 LTS vom Mac steuern: So klappt es mit RDP
Die Bildschirmfreigabe des Macs spricht nur VNC, der native Desktop von Ubuntu 26.04 LTS kann nur RDP. Hier steht belegt, warum viele alte Anleitungen nicht mehr funktionieren und wie Du Ubuntu mit der kostenlosen Windows App vom Mac aus steuerst, mit Freigabe oder ohne Benutzer vor Ort …
Du willst einen Ubuntu-Rechner aus der Bildschirmfreigabe Deines Macs heraus steuern und hast dabei schon mehrere Anleitungen ausprobiert, die alle ins Leere liefen. Das liegt nicht an Dir: Auf dem aktuellen Ubuntu fehlt dafür seit einiger Zeit schlicht die Gegenseite. Hier steht, welche Version aktuell gilt, was ich im Paket selbst nachgeprüft habe und wie Du den Ubuntu-Desktop mit einer kostenlosen App vom Mac aus steuerst.
Welche Ubuntu-Version ist die aktuelle LTS?
Deine Vermutung stimmt: Die aktuelle Version mit Langzeitsupport ist Ubuntu 26.04 LTS mit dem Codenamen „Resolute Raccoon”. Laut den offiziellen Release Notes von Ubuntu 26.04 erschien sie am 23. April 2026 und wird fünf Jahre lang, bis April 2031, mit Sicherheitsupdates versorgt. Mit einem Ubuntu-Pro-Abo verlängert sich der Support auf zehn Jahre. Der Desktop basiert auf GNOME 50.
Das Problem: Die Mac-Bildschirmfreigabe will VNC, Ubuntu bietet nur RDP
Die Bildschirmfreigabe auf dem Mac verbindet sich mit fremden Rechnern über das VNC-Protokoll, also mit einer Adresse der Form vnc://IP-ADRESSE. Der Desktop von Ubuntu 26.04 bringt zwar einen Fernzugriff mit, aber nur über RDP. Das ist das Protokoll von Windows, und die Bildschirmfreigabe des Macs spricht es nicht.
Dass das kein Einstellungsfehler ist, habe ich im Paket selbst nachgeprüft. Das Paket gnome-remote-desktop in Version 50.0 von Ubuntu hängt von FreeRDP ab, aber von keiner VNC-Bibliothek, und im Programm selbst ist kein VNC-Server enthalten. Das passt zu den Build-Optionen des Projekts, wo das VNC-Backend (vnc) standardmäßig ausgeschaltet ist, und zur Konfigurationsdoku von GNOME Remote Desktop, die den Fernzugriff mit Anmeldung ausdrücklich als nur per RDP verfügbar beschreibt.
Prüfen kannst Du das selbst in einem Terminal auf dem Ubuntu-Rechner. Der erste Befehl listet die Abhängigkeiten des Pakets, und die Ausgabe bleibt leer, wenn keine VNC-Bibliothek dabei ist:
apt-cache depends gnome-remote-desktop | grep -i vncMit dem zweiten Befehl siehst Du, welche Programme auf Port 5900 lauschen, dem üblichen VNC-Port:
ss -tlnp | grep 5900Auch wenn Du zuvor grdctl vnc enable ausgeführt hast, sollte hier kein Eintrag erscheinen.
Warum die alten Anleitungen scheitern
Frühere Ubuntu-Versionen hatten unter Einstellungen > Freigabe > Bildschirmfreigabe einen VNC-Schalter, und Programme wie x11vnc konnten die laufende Sitzung abgreifen. Beides ist vorbei. Laut den Release Notes für LTS-Nutzer läuft der Ubuntu-Desktop nur noch mit Wayland, weil GNOME Shell nicht mehr als X.org-Sitzung laufen kann. Alles, was auf eine X11-Sitzung aufsetzt, greift deshalb ins Leere.
Was auf dem nativen Ubuntu-Desktop funktioniert: RDP
Der eingebaute Weg ist GNOME Remote Desktop über RDP, und er deckt beide Szenarien ab, die Du genannt hast.
Variante 1: Benutzer vor dem Rechner gibt frei
Öffne auf dem Ubuntu-Rechner Einstellungen > System > Remote-Desktop, wechsle in den Bereich Bildschirmfreigabe, schalte ihn ein und lege einen Benutzernamen samt Passwort für die Verbindung fest. Wer vor dem Rechner sitzt, sieht die Verbindung und kann sie beenden.
Wenn Du die Einrichtung lieber im Terminal machst, legst Du zuerst ein Zertifikat an. Die vier Befehle stammen aus der Doku von GNOME Remote Desktop:
mkdir -p ~/.local/share/gnome-remote-desktopopenssl req -new -newkey rsa:4096 -days 720 -nodes -x509 -subj /C=DE/ST=NONE/L=NONE/O=GNOME/CN=gnome.org -out ~/.local/share/gnome-remote-desktop/tls.crt -keyout ~/.local/share/gnome-remote-desktop/tls.keygrdctl rdp set-tls-key ~/.local/share/gnome-remote-desktop/tls.keygrdctl rdp set-tls-cert ~/.local/share/gnome-remote-desktop/tls.crtDanach vergibst Du die Zugangsdaten, schaltest RDP ein und startest den Dienst. Bei set-credentials gibst Du Benutzername und Passwort über die Standardeingabe ein:
grdctl rdp set-credentialsgrdctl rdp enablesystemctl --user enable --now gnome-remote-desktop.serviceVariante 2: Zugriff ohne Benutzer vor Ort (Remote-Anmeldung)
Für den unbeaufsichtigten Zugriff gibt es die Remote-Anmeldung. Du öffnest dieselbe Seite Einstellungen > System > Remote-Desktop, wählst Remote-Anmeldung, entsperrst das Fenster mit Deinem Administratorpasswort und schaltest die Funktion ein. Der Ablauf ist dann zweistufig: Du meldest Dich zuerst mit einem systemweiten Passwort an und landest am grafischen Anmeldebildschirm, wo Du Dich mit dem normalen Benutzerkonto einloggst. Die Befehlszeilenvariante dazu (grdctl --system rdp …) steht ebenfalls in der oben verlinkten Doku.
Der Mac braucht eine zusätzliche App: Windows App
Auf dem Mac nimmst Du die kostenlose Windows App von Microsoft. Sie ist der Nachfolger der früheren App „Microsoft Remote Desktop”, spricht RDP und kostet im Mac App Store nichts. Laut Store-Eintrag setzt sie macOS 14 oder neuer voraus, mit Deinem aktuellen macOS ist das also erfüllt. Du lädst sie über den Link von Microsoft zum Mac App Store oder suchst im App Store nach „Windows App”.
Die Daten des Ubuntu-Rechners herausfinden
Du brauchst für die Verbindung zwei Angaben vom Ubuntu-Rechner. Die IP-Adresse liest Du im Terminal aus:
hostname -IDie erste Zahl der Ausgabe, zum Beispiel 192.168.1.50, ist die Adresse im Heimnetz. Dazu kommen der Benutzername und das Passwort, die Du in Variante 1 bei der Bildschirmfreigabe beziehungsweise in Variante 2 bei der Remote-Anmeldung festgelegt hast. Das sind bewusst eigene RDP-Zugangsdaten und nicht automatisch das Passwort Deines Ubuntu-Kontos. Der Port ist 3389 und wird von der App automatisch verwendet. Falls auf dem Ubuntu-Rechner eine Firewall aktiv ist, gibst Du den Port mit diesem Befehl frei:
sudo ufw allow 3389/tcpVerbindung in der Windows App einrichten
Das Vorgehen entspricht der Anleitung von Microsoft zur Windows App:
- Öffne die Windows App und überspringe die Einführung mit
Skip. - Klicke im Reiter
Devicesauf das Plus-Symbol und wähleAdd PC. - Trage bei
PC Namedie IP-Adresse Deines Ubuntu-Rechners ein, zum Beispiel192.168.1.50. - Lege optional einen Anzeigenamen wie „Ubuntu 26.04” fest und hinterlege den Benutzer mit den RDP-Zugangsdaten.
- Klicke auf
Add. - Mache im Reiter
Deviceseinen Doppelklick auf den neuen Eintrag. Falls Du noch keinen Benutzer hinterlegt hast, fragt die App jetzt danach.
Beim ersten Verbinden kann eine Warnung zum Zertifikat erscheinen, weil der Ubuntu-Rechner ein selbst erstelltes Zertifikat benutzt. Das ist hier erwartbar, und Du bestätigst sie, sofern Du die IP-Adresse selbst eingegeben hast.
Was Dich bei den beiden Varianten erwartet
Bei Variante 1 (Bildschirmfreigabe) siehst Du nach der Anmeldung den Desktop des Benutzers, der gerade am Ubuntu-Rechner angemeldet ist, und beide können die Maus bewegen. Der Rechner muss dafür eingeschaltet und der Benutzer angemeldet sein. Bei Variante 2 (Remote-Anmeldung) meldest Du Dich zuerst mit dem systemweiten Zugang an und landest dann am Anmeldebildschirm von Ubuntu, wo Du Dich mit Deinem normalen Konto einloggst. Dafür muss niemand vor dem Rechner sitzen.
Fazit
Ubuntu 26.04 LTS ist die richtige Basis, aber die Bildschirmfreigabe des Macs kommt mit dem nativen Desktop nicht zurecht, weil der VNC-Server fehlt und die X11-Sitzung weggefallen ist. Mit RDP auf Ubuntu-Seite und der kostenlosen Windows App auf dem Mac steuerst Du den echten Desktop trotzdem, mit Freigabe durch den Benutzer vor Ort oder ohne ihn über die Remote-Anmeldung.
Wie die Bildschirmfreigabe zwischen zwei Macs sauber läuft, zeigt Dir der Artikel Einfaches Screen Sharing in MacOS mit Bildschirmfreigabe: Bye, bye VNC, Teamviewer und Co.!.
Weiterlesen.
-
Raspberry Pi & LinuxMac-Anleitung: SSH-Timeouts zu einem Ubuntu Server verhindern
Wenn Du regelmäßig per SSH auf einen Ubuntu 22.04-Server zugreifst, kennst Du vielleicht das Problem: Lange inaktive Verbindungen brechen irgendwann ab, und all Deine laufenden Prozesse gehen verloren. Das ist nicht nur nervig, sondern kann auch viel Zeit und Arbeit kosten. Zum…
Sonoya Redaktion -
Raspberry Pi & LinuxNordVPN auf einem Ubuntu 22.04 Droplet bei Digital Ocean für Python Skripte installieren und konfigurieren
In diesem Blogpost zeigen wir Dir, wie Du NordVPN auf einem Ubuntu 22.04 Droplet bei Digital Ocean installierst und so konfigurierst, dass Python-Skripte, die auf diesem Droplet ausgeführt werden, so aussehen, als kämen sie von einem NordVPN-Server. Wir stellen sicher, dass die…
Sonoya Redaktion -
Raspberry Pi & LinuxAnleitung: Dateien mit SCP zwischen Raspberry Pi und Mac kopieren
Wenn man Dateien zwischen dem Mac und einem Linux-Rechner wie dem Raspberry Pi hin und her kopieren will, dann gibt es eine Menge Möglichkeiten das zu realisieren. Hierfür stehen zahlreiche Protokoll zur Verfügung, die aber auf beiden Systemen installiert sein müssen.
Sonoya Redaktion -
Raspberry Pi & LinuxDSPi macht den Raspberry Pi Pico zur DSP-Soundkarte
Mit der Open-Source-Firmware DSPi von Weeb Labs wird ein Raspberry Pi Pico oder Pico 2 zur USB-Soundkarte mit parametrischem Equalizer, aktiver Frequenzweiche und Raumkorrektur. Hier liest Du, welche Hardware und Software Du brauchst, wie Du Schritt für Schritt vorgehst und was das Ganze kostet …
Sonoya Redaktion -
Raspberry Pi & LinuxAnleitung: Cronjobs unter Raspberry Pi OS einrichten
So richtest Du unter dem aktuellen Raspberry Pi OS (Trixie) zuverlässige Cronjobs ein: Zeitzone und Uhrzeit korrekt setzen, die crontab-Syntax verstehen und Bash-Scripts, Python-Scripts sowie virtuelle Umgebungen automatisch starten. Mit Logging, @reboot und einem Lock-File gegen Doppelausführung per flock…
Sonoya Redaktion -
Raspberry Pi & LinuxESP32 Bluetooth Proxy für Home Assistant einrichten
So baust Du mit einem ESP32, ESPHome und WLAN einen einfachen Bluetooth Range Extender für Home Assistant, damit BLE-Sensoren zuverlässiger erreichbar sind.
Sonoya Redaktion